This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Der teuerste Engpass bei der KI-Einführung steht in keinem Pflichtenheft. Es ist der volle Kalender. Nicht das Budget, nicht das Modell, nicht die Datenlage. Schlicht die fehlende Zeit, etwas Neues zu beginnen, während das Tagesgeschäft alles bindet.

Das NZZ-KMU-Barometer dieser Woche liefert den Beleg. Die Stimmung ist so pessimistisch wie seit 2021 nicht mehr, doch die Mehrheit der KMU hält sich für operativ resilient. Beides stimmt. Schweizer Betriebe löschen Brände hervorragend. Was schwerfällt, ist die strategische Anpassung nebenher. Nabil Francis, CEO des Gartenscheren-Herstellers Felco, bringt es im Barometer auf den Punkt: „Wir müssen lernen, auf Sicht zu fahren." Ein 300-Personen-Betrieb, 95 Prozent Export, und sein Thema ist nicht die Krise, sondern das Tempo des Wandels.

Das Barometer zeichnet ein widersprüchliches Bild. Die Stimmung ist so pessimistisch wie seit 2021 nicht mehr. Gleichzeitig hält sich die Mehrheit der KMU für operativ resilient. Beides stimmt. Schweizer Betriebe löschen Brände hervorragend. Was schwerfällt, ist das andere: die strategische Anpassung, während das Tagesgeschäft alle Hände bindet.

Das deckt sich mit dem, was wir in der Beratung sehen. Der häufigste Grund, warum KI im Unternehmen nicht ankommt, ist nicht das Tool und nicht das Budget. Es ist die fehlende Kapazität, sich schnell genug zu verändern. Wer permanent löscht, richtet nichts neu aus..

🎙️ Du hörst des Newsletter lieber? Hier eine kurze, KI-generierte Audio-Zusammenfassung dieser Ausgabe:

Das Problem

Der Denkfehler steckt in der Annahme, KI sei noch nicht reif. Diese Woche sind drei Arbeiten erschienen, die das Gegenteil belegen. Nicht die Technik zögert. Die Umsetzung zögert.

Die erste, von OpenAI zum Thema Wissensarbeit (2. Juni), liefert eine Zahl, die aufhorchen lässt. Der durchschnittliche Wissensarbeiter verbringt laut McKinsey rund 28 Prozent der Arbeitswoche mit E-Mail und fast 20 Prozent mit der Suche nach internen Informationen. Fast die Hälfte der Woche geht für Suchen, Abstimmen und Weiterreichen drauf, nicht für die eigentliche Arbeit. Genau hier setzen die neuen Werkzeuge an: Wissensarbeiter sind unter den am schnellsten wachsenden Nutzergruppen, sie wachsen dreimal so schnell wie Entwickler.

Die zweite, von Marc Zao-Sanders in der HBR (1. Juni), warnt vor der Kehrseite. Wer KI gedankenlos einsetzt, produziert „Thinkslop": glatt klingende, aber inhaltsleere Ergebnisse. Die Lehre ist nicht, es zu lassen. Die Lehre ist, KI bewusst einzusetzen, mit klarer Absicht und einem Menschen, der die Aussage am Ende verantwortet.

Die dritte ist ein praktischer Leitfaden von Anthropic zu Claude Cowork. Und der zeigt, dass der Einstieg heute kleiner ist, als viele denken.

Das Framework: Einstieg in Schritten, nicht im Grossprojekt

Claude Cowork ist ein Desktop-Werkzeug, das Datei- und Aufgabenarbeit übernimmt, gedacht für Menschen ohne Programmierkenntnisse. Der Leitfaden gliedert den Einstieg in sechs Stufen. Man muss nicht alle auf einmal gehen. Schon die ersten drei verändern den Arbeitstag.

Stufe 0, das Ziel benennen. Bevor die KI startet, beschreibst du, was du brauchst, für wen und was „gut" heisst. Beispiel: „Schreib ein wöchentliches Update für die Teamleitung. Was ist fertig, was blockiert, was kommt als Nächstes. Unter zehn Zeilen." Das klingt banal, ist aber der häufigste ausgelassene Schritt.

Stufe 1, die Arbeit hereinholen. Du verbindest deine Werkzeuge und legst Projekte an, damit der Kontext beieinander bleibt. „Bring mich auf den Stand zu allem im Q3-Ordner." Genau die 20 Prozent Suchzeit aus der OpenAI-Studie schrumpfen hier.

Stufe 2, daraus eine Fähigkeit machen. Was du zweimal erklärt hast, speicherst du als wiederverwendbare Routine. „Ich schreibe jede Woche ein Status-Update. Hilf mir, daraus eine Skill zu bauen." Ab jetzt läuft die Aufgabe auf Zuruf.

Die Stufen 3 bis 5 gehen weiter: wiederkehrende Aufgaben planen (etwa ein tägliches Morgen-Briefing um 8 Uhr), Arbeitsabläufe als Plugin fürs ganze Team bündeln, und das Ganze über die Zeit nachschärfen. Aber der Punkt ist: Du startest bei Stufe 0 an einem Nachmittag, nicht mit einem Achtzehn-Monats-Programm.

How to learn Claude Cowork_Anthropic.pdf

How to learn Claude Cowork (English)

11.20 MBPDF File

Die Reihenfolge

Beginne bei Stufe 0, dem Ziel. Nicht beim Tool, nicht bei der Automatisierung. Wer ohne klares Ziel startet, bekommt Thinkslop. Erst wenn das Ziel steht, kommt Stufe 1, der eigene Kontext. Und erst was sich wiederholt, wird in Stufe 2 zur Routine. Die meisten machen es umgekehrt und wundern sich, warum die KI enttäuscht.

Was sich konkret verändert

Der Unterschied zeigt sich an einem gewöhnlichen Montagmorgen. Vorher: Eine Stunde E-Mails sichten, im Q3-Ordner nach dem letzten Stand suchen, das Update von Hand tippen. Nachher: Das Morgen-Briefing liegt um 8 Uhr bereit, das Status-Update entsteht auf Zuruf aus dem eigenen Kontext, die gewonnene Stunde geht in die Arbeit, die niemand sonst machen kann.

Es ist nicht die Technik, die sich geändert hat. Es ist die Schwelle, sie zu nutzen. Und die ist diese Woche so niedrig wie nie.

Das ist die eigentliche Botschaft hinter dem NZZ-Barometer. Wer auf Sicht fahren muss, wie es Nabil Francis nennt, braucht Werkzeuge, die den Blick freimachen, statt ihn mit Tagesgeschäft zu verstellen. Wandel scheitert selten an Ideen. Er scheitert an Kapazität. Und genau die lässt sich jetzt in kleinen Schritten zurückgewinnen.

Einladung zum Erasmus+-Sommerprogramm

Genau hier setzen wir an. Die Themen, die diese Woche durch NZZ und Leader Digital gingen, der stockende Wandel, der Druck auf KMU, die Frage nach Führung und Umsetzung, greifen wir im Juni, Juli und August gemeinsam auf. Nicht als Vortrag, sondern als Peer Learning: Menschen aus der Region, die reale Anwendungen verstehen, Risiken benennen und Erfahrungen austauschen.

Das Erasmus+ Projekt MMIND lädt im Juni, Juli und August 2026 zu kostenlosen Formaten in Liechtenstein und der Region ein. Im Fokus stehen KI-Kompetenz, praktische Werkzeuge, Produktivität und die Zukunft der Arbeit. Anlass ist der 2. August 2026, ab dem der Hauptteil der europäischen KI-Verordnung anwendbar wird. Für Liechtenstein ist der AI Act über den EWR relevant, und die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt nach Artikel 4 bereits seit Februar 2025.

Wir arbeiten mit zwei Mastermind-Gruppen, beide mit Teilnehmern aus Liechtenstein und der Region:

→ KMU-Tools. Hier zeigen wir konkreten KI-Nutzen in echten Anwendungsbereichen, etwa in der Personalvermittlung. Praxisfragen aus euren Unternehmen sind das Material.

→ Zukunft der Arbeit. Hier geht es um die Auswirkungen von KI auf Wirtschaft und Gesellschaft in der Region, mit Perspektiven aus der Bevölkerung.

„Aus Sicht der Nationalagentur sind solche Projekte ein wichtiger Beitrag, um digitale Kompetenzen zu stärken und KI verantwortungsvoll in Wirtschaft und Gesellschaft einzusetzen", sagt Michael Kolbe, Bereichsleiter Erwachsenenbildung Erasmus+ der AIBA Nationalagentur für Liechtenstein.

Die Teilnahme ist kostenlos. Wir laden alle Leserinnen und Leser dieses Newsletters herzlich ein.

Termine zum Vormerken

Alle Anlässe im Kloster Schaan, Duxgass 55. Trag sie dir ein.

  • 16.06.2026 · 16:00 bis 18:00 Uhr · AI Act für KMU: KI-Kompetenz, Risiko-Einordnung. Governance und Strategie, Chancen und Risiken. Impuls der MMIND-Projektpartner zusammen mit Nathalie Nipp, ISTRAS.
    → Zur Anmeldung

  • 07.07.2026 · 16:00 bis 18:00 Uhr · KI und Produktivität: Wie verändert sich die Gesellschaft? Impuls von Josef Brusa, Verein Perspektiv.
    → Zur Anmeldung

  • 12.08.2026 · 16:00 bis 18:00 Uhr · KI und Standort: Wie bleibt Liechtenstein attraktiv? Mit zwei Impulsen: Marcel Gstöhl (Mastermind-Gruppe Zukunft der Arbeit) und Theresa Goop (Stiftung Zukunft.li) zu KI und Arbeitsmarkt Liechtenstein.
    → Zur Anmeldung

  • 20.08.2026 · 17:00 bis 19:30 Uhr · Ergebnisse aus den Mastermind-Gruppen: drei Impulse an einem Abend. KI und Fachkräfte, ein neues Pilotprojekt für Liechtenstein (Alexander Jeeves, Mastermind-Gruppe KMU-Tools). Geschäftsmodelle im Marketing sowie Strategie, Innovation und Know-how (Nathalie Nipp, ISTRAS). Und die Ergebnisse der AI Compliance Umfrage 2026 (Christian Wind, Bratschi AG, Zürich).
    → Zur Anmeldung

Ausgewählte Inhalte machen wir zusätzlich als kurze Webinare und EPALE-Beiträge zugänglich.

Fragen zu den Veranstaltungen oder zur Umsetzung von KI? Antworte direkt auf diese E-Mail. Wir melden uns umgehend.

🎬 Video: KI-Strategie für KMU

Weiterlesen